Martina Hälg-Stamm, 1914-2011

Martin Hälg-Stamm wuchs als Tocher des Kantonsforstmeisters in Appenzell auf. Sie besuchte als reformiertes Mädchen die Klosterschule in Appenzell und schloss anschliessend die Kantonsschule in St. Gallen mit einer Wirtschaftsmatura ab. Das Studium blieb ihr zwar verwehrt, doch reiste sie für längere Sprachaufenthalte nach London und Rom. Nach ersten beruflichen Stationen sowie dem Einsatz als FHD 1940-1942 trat sie in Kesswil die Stelle einer Prokuristin bei einer Tubenfabrik an. 1946 heiratete sie den Romanshorner Primarlehrer Otto Hälg und wurde Mutter von drei Kindern. Ihren vielfältigen kulturellen und politischen Interessen folgend betätigte sie sich als freie Mitarbeiterin der Thurgauer Arbeiterzeitung und als Kolumnistin beim Nebelspalter. Ab 1963 arbeitete sie als Bezirkssekretärin von Pro Juventute. Seit 1966 Mitglied der SP wurde sie 1972 als erste und einzige Frau in den Grossen Rat des Kantons gewählt. Sie setzte sich vor allem für die rechtliche Gleichstellung der Frauen ein, so bereits 1973 mit einer Motion für gleiche Entlöhnung in gleicher Funktion oder 1975 mit einer Motion für die Einrichtung einer Beratungsstelle für Familienplanung.


Kontextualisierung
Die gebildete Frau engagierte sich an ihrem Wohnort und darüber hinaus für verschiedene Institutionen in Bildung und Kultur. Es gelang ihr, im Grossen Rat mit Sachkenntnis und einem gemässigten Auftreten bei glasklarer Haltung, vielen Anliegen von Frauen, die an sie herangetragen wurden, im Kanton Gehör zu verschaffen. In Romanshorn ist eine Strasse nach ihr benannt.


Weitere Informationen
Nachlass im ThurgauerFrauenArchiv F 1’26, 5.0/
Müller, Verena E.: „… damit man nicht keine hat“.
Die erste Grossrätin, in: bodenständig und grenzenlos. 200 Jahre Thurgauer Frauengeschichte(n), Frauenfeld 1998, S. 214–215 (u. a.).
Martina Hälg-Stamm im Historischen Lexikon der Schweiz: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/013369/2014-12-02/

ThurgauerFrauenArchiv, Autorin lic.phil. Nathalie Kolb
Diese Ausstellung wurde angeregt durch das Projekt Hommage 2021, hommage2021.ch.